Anell war ein kleines, blondes Mädchen. Jeden Morgen macht es sich wie alle kleinen Mädchen auf den Weg zur Schule. Ihr Rucksack war ganz und gar aus Blumenblättern genäht. Als sie vor die Tür ihres Blumenblütenhauses trat, wartete stets ihr bester Freund Brahms auf sie. Ein kleiner, schüchterner Junge, der nicht viel sprach und immer ein Schwert bei sich trug. Es war ein Schwert, das so groß war wie er. Er musste doch Anell beschützen. Wovor, das wusste Anell selbst nicht so genau.
Anell lebte im Zworgendorf. Ein Dorf von kleinen Wesen, die sich als Wächter der Natur verstanden. So viel wusste Anell nicht darüber, denn es musste ja noch in der Schule lernen.
Jeden morgen schwebte das Zworgendorf in den Sonnenaufgang entgegen. Als die Sonne über die Blumendächer hervorragte, sprangen die Kinder aus ihren Blumenhäusern hervor und spielten auf dem Weg zur Schule Knallerbsenball.
Knallerbsenball war eine aufregende Beschäftigung. Hin und wieder explodierten die Knallerbsen fürchterlich. Gespielt wurde mit fünf von ihnen. Das Ziel war es, dass die anderen die eigenen Knallerbsen nicht zum Platzen bringen konnten, bevor man sie im anderen Tor in Sicherheit gebracht hatte.
"Hierher" rief Brahms zu Anell. Doch Anell verlor den Ball und ein anderer Junge schoß den Ball über den Rand des Dorfes. Wieder hatten sie einen Ball verloren. Dabei hatten sie doch nur so wenige davon.
Am Horziont lagerten finstere Wolken und es braute sich ein Gewitter über ihnen zusammen.
Ein Blitz schlug in den Ball und alle Knallerbsen explodierten, da stürzte Anell über den Rand des Dorfes und viel in die furchtbare Tiefe, dem Boden entgegen.
Anell fand keinen Halt. Wie in allen Momenten, in denen man denkt, es geht zu Ende, verlangsamt sich die Zeit. Wenn man so lange wie Anell in die Tiefe fällt, dann fängt man an nachzudenken. Nach einer Weile gewöhnt man sich daran, dass man sich dem Boden nähert. Die Angst verschwindet und man denkt an die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Anell dachte also an alle Wesen in ihrem Leben gleichzeitig. Sie überkam dieser Erwachsenen-Gedanke, jetzt muss ich mich verstehen. Verstehen, wer ich bin, woher ich komme und warum ich hier bin. Sie dachte an ihren Zieh-Vater, den sie liebevoll "Aba" nannte. Er war der Herrscher im Dorf. Sie dachte an all die schönen Dinge, die sie im Dorf tat
LISTE:
Sie fiel und drehte sich zum Himmel. Da es noch am Morgen war und die Sonne nur leicht am Horizont lugte, sah sie den Mond. Der Mond, es war als lächelte er sie an. Sie drehte sich und sah, wie sich die Erde nähert. Die ganze Erde, für die sie nur ein winziges Geschöpf war. Sie sah sich aus der Ferne, wie sie als winziger Punkt auf der Erde landen würde, ohne ein großes Geräusch, ohne einen Kratzer zu hinterlassen. So wie Ameisen für sie klein waren, so war sie nur gänzlich unbedeutend für die Erde. Warum war das alles hier? Warum zur Schule gehen? Warum all diese magischen Dinge über das Leben lernen? Sie dachte, wie klein sie für die Erde war und dann dachte sie wie klein die Erde für das Universum sein musste. Sie war also das kleinste, was sie vorstellen könnte und doch war all das größte, was sie sich vorstellen konnte. Im kleinen beginnt die Wirklichkeit, im Kleinen beginnt das Leben. Sie dachte viel für so ein kleines Kind, das sie war. Als sie so viel verschwand die Angst und sie wurde noch trauriger. Es waren einfach noch so viele Dinge, die sie nicht wusste. Vor allem wusste sie nicht, wer sie war und woher sie kam. Aba hatte nur Geschichten für sie, aber wie alle Geschichten, waren sie Geschichten.
Sie sehnte sich nach einer Mutter und einem richtigen Vater. Sie war das einzige Menschenkind, das sie kannte und sie war klein. Fast vergaß sie, dass sich die Erde unaufhaltsam näherte. Nun stach sie durch die Wolkendecke und sie sah Seeen und Wälder. Sie sah wie sich alles in allem miteinander verwob. Sie sah, dass die Natur aus vielen kleinen Dingen bestand. Der Große war ganz und gar klein und alles kleine, wäre es unbedeutend, würde nicht das Große ergeben.Wäre die Erde gleichgültig gegenüber ihrem Leben so würde sie ja nicht sein. Sie sah wie das Wasser durch die Flüsse lief und wie die Fische gegen den Strom lebten, sie sah wie die Bäume, die Käfer beherbergten, wie der Specht, die alten Bäume durchstach und die alten Bäumen den jungen Bäumen aufhalfen. Sie sah wie alles durch das Leben durchdrungen war. Im Großen war die Erde tot, die wirklichen Dinge wurden unbedeutend. Sie sah, dass aber im kleinen das Leben begann und das im kleinen die Wirklichkeit lag. Sie wusste, dass sie klein war, aber sie wusste, dass das Kleine dem Großen nicht egal sein konnte, andernfalls würde die Erde nicht so sein, wie wir sie kannten. Sie viel nun in den Wald und nochmal wurde die Zeit für sie langsamer. Sie sah den Mikrokosmos, wie der Atem der Tiere in die Blätter der Bäume eindrung und wie die Bäume das Leben der Tiere waren, sie sah wie alles in einem großen Atem der Natur zusammengeschlungen war. Sie sah sich selbst wie sie der Zauber des Lebens war, wie das Zworgenreich der Zauber der Natur und ihr Atem war, sie sah die Welt zum ersten Mal. Sie hatte die Welt gesehen, das war genug gewesen und ihr entrannen die Freudentänen, einem so kleinen Mädchen, das bald auf dem Boden zerschellen und wieder Natur werden würde.
Da wurde die Natur mit einem Schlag ganz still und der harte Boden sollte Wirklichkeit werden, sie sah sich zurück in das Leben der Natur fallen. Mit einem Mal schlug die Natur in ihr ein Auge auf und sie sah die Tiere in sich. Ihr Herz schlug im Klang der Tiere und da schoß ein Adler hinter ihr hervor, tauchte unter ihrem Rücken, schmiegte sich an ihren Körper und glitt mit ihr an der Erde vorbei. Anell hielt sich fest und stieg mit dem Adler hoch durch den Wald an den Bäumen vorbei, hoch in die Luft.
In der Flugschule
Die Zworgenkinder waren aufgeregt und überglücklich als Anell mit dem Falken an ihnen vorbei schoß. Sie hatten alle traurig am Rand des fliegenden Dorfes gehockt und dachten es wäre vorbei.
Sie mussten zur Schule doch bei der Aufregung hatte Aba die große Glocke geläutet, was bedeutete, dass die Kinder zuerst zu ihm mussten. Sie liefen in den großen Hof, and den Beeten vorbei.
Aba wartete bereits auf seinem hohen Podest. Anell kletterete seinen langen Blumenbart hinauf. "Wir brauchen neue Bälle" sagte sie laut zu Aba. Aba aber war bereits wieder in Gedanken versunken. Die Kinder setzten sich im Kreis um den Mann auf dem Podest. Auch die Elfenkinder flogen herbei.
Aba schaute Anell an. Er schimpfte niemals mit ihr, aber sein Blick verschüchterte sie oftmals so sehr, dass sie sich innerlich schämte. Sie kletterte hinab und setzte sich zu den anderen im Kreis. Aba sprach: "Was habt ihr daraus gelernt?"
Niemand wollte etwas sagen. Schüchternheit lag im Raum. Nach quälenden, schweigsamen Minuten sagte Liala: Zworgen müssen bedächtig und vorsichtig sein. Wir können nicht immer spielen. Sie seien schließlich auf einem fliegenden Dorf. Aba nickte nur. Anell schämte sich und wollte nichts sagen.
Aba schaute zu ihr und sagte: Anell, was denkst du?
Anell schaute auf den Boden und sagte: Ich muss mich mehr beherrschen. Aba nickte und seufzte: "Es war etwas anderes. Solche Blitze schlagen nicht einfach so in unser Dorf ein. Wir müssen weiterziehen"
Anell schaute auf und fragte: "Wovor verstecken wir uns?"
Der Blick von Aba wurde finster. Er wusste nicht, was es war, aber er wusste, dass es mit Anell zu tun hatte. Er wollte sie nicht beunruhigen.
"Erzähl uns eine Geschichte" fuhr Anell in seine Gedanken.
"Welche Geschichte, möchtest du denn hören?" Die Geschichte vom Pusteblumenbaby. Das soll dir hübsch Araxas erzählen. Ich muss weiter das Dorf lenken"
Anell war enttäuscht, aber lief mit den Elfen zu Araxas "Bitte erzähl uns nochmal die Geschichte...
Nagut
Geschichtenideen:
Freundschaft, Charaktere werden in Diamanten entführt, ihr bester Freund fällt über den Rand, Beginn Geschichte, von den Freunden den Vögeln, von der Flugschule, von der Freundschaft mit den Tieren, vom Zauber des Lebens, vom Geben und dem Edlen... Wie es zur Freundschaft zwischen den Wesen kam, woher die Welt wirklich kommt?, wie die Welt in uns geboren wurde, Wie Aba dazu rät sich nicht für die Welt zu entscheiden, warum es die Welt nicht gibt, wie die Welt entsteht und mit uns vergeht, die Frage nach der wirklichen Wirklichkeit, wie ein Mädchen ein wirklicher Mensch werden will, wie das Mädchen ein wirklicher Mensch ist, Auflösung des Lesens, das größte Geheimnis,
wie das Mädchen in sich selbst hinabstürzte, ein Ausflug in das Innere.
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