ach liebe Anell, wo soll ich anfangen, ohne dich zu belügen: Würdest du es mir übel nehmen, wenn ich sage, dass es keine Einhörner gibt, dass andere Traumwesen nicht wirklich leben, und dass ich sogar annehme, dass Jesus nicht so real ist, wie die meisten glauben?
Würdest du mich ausschimpfen und böse mit mir sein? Mit dem Fuß aufstampfen und missmutig zurück in dein Zimmer gehen?
In Wirklichkeit gibt es keine Einhörner. Aber warte! Lass mich nochmal anfangen.
In einem fernen, fernen Land, lange, lange vor unserer Zeit, da gab es ein Einhorn. Es hieß Fantasia und es war mit der Welt, als die Welt noch nicht wirklich Welt war. Es war ein großes, anmutiges Einhorn, so schön, wie du es dir nicht vorstellen kannst.
Einst da sprang es auf seine Hinterbeine, und plötzlich da entstand die Erde und da hob es die Hufe hoch, und plötzlich da entstand der Himmel, und es wieherte in die Luft, da entstand die Luft.
Und aus diesem ersten und letzten Einhorn entsprangen alle Wünsche, sie fielen wie die Sterne vom Himmel. Doch es gab keinen Wandel, nur Licht und alles schien hell und klar. Die Welt war strahlend und doch einsam, denn wie es dich nicht gab, gab es niemanden, der die Welt sah.
Die Welt war da, doch in dieser Einsamkeit war sie nicht die Wahrheit.
Das Einhorn spürte die Einsamkeit der Welt. Da flog es auf in den Himmel und verwandelte sich in die Sterne. Mit den Sternen schuf es die Nacht und damit auch den Tag. Den Wandel von Licht und Schatten und der Wunsch des Einhorns wurde die Sonne.
Aus dem Tag und der Nacht entstanden die Welten, die Meere, die Wirklichkeit.
Und mit den Sternen entstanden auch wir mit unseren Wünschen. Jeder Stern leuchtet seitdem für den innersten Wunsch eines jeden von uns. Ja, er leuchtet wie ein Wunsch aus unserer Seele und im nächtlichen Himmel dort siehst du das letzte Einhorn wie es wiehert und seinen Regen aus Phantasie auf dich herabfallen lässt.
Diese Form des Einhorns, dort oben am Himmel, ja sie ist wirklich. Es ist die Form, die in deinen Gedanken ist, wenn du die Augen schließt und daran denkst.
Weil das Einhorn also wirklich war, so war es auch nie geboren. Wie alle magischen Wesen war es schon immer da, und ist mit der Magie aller Dinge um uns herum. Diese magische Welt in ihrer Gegenwart, das sind wir und da horche in dein Herz, dort ist es das letzte Einhorn.
Hörst du wie es ruft, wie es nach den Sternen in dir ruft, wie es mit den Hufen scharrt?
Ende
Wenn du es also in dir hörst, dann muss es auch Einhörner geben. Vielleicht anders als wir Erwachsene uns das vorstellen und so hörst du auch vom Weihnachtsmann, den es in dir gibt. Ihr Kinder hört von einer inneren Wirklichkeit.
Wenn das alles also stimmt, dann können wir die Geschichte vom Einhorn auch erzählen. Aber davon erzählen wir das nächste Mal.
Das Einhorn war nicht erwacht, es war schon dort. Es wusste nicht, wie es hierher gekommen war, es war ihm nicht verwunderlich, aber es gab nur jeden Tag doch keine Nacht. Das Einhorn lebte in
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